Ok, Boomer - Wie die Corona-Krise das Verhältnis der Generation verändert

Liebe Community,

ich freu mich mit euch zu diskutieren. An alle Österreicher hier: habt ihr am Donnerstagabend das Eco Magazin zum Thema „Ok, Boomer - Ende des Generationsvertrags?“ gsehen? Welche Gedanken kommen da bei euch auf?

Hier der Link zum Online Nachschauen:

Grüße, Doris.

Liebe Doris,

ich habe Eco am Donnerstag gesehen und habe es widerlich gefunden. Angefangen mit dem tendenziösen Titel OK, Boomer, der jeglichen Repekt vermissen lässt über das Pflegen von gängigen Vorurteilen, bis hin zum plakativen Darstellen der „Generationenpärchen“. Im Geragogik-Studium durfte ich mehrfach den großartigen Prof. Kolland genießen, von dem ich gelernt habe, sehr genau auf die subtilen und versteckten Nuancen der Altersdiskriminierung zu achten, die eigentlich während der ganzen Sendung präsent waren.

Gruß, Ernst

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Hallo Ernst,
spannend, dass du das so siehst! Ich habe es eher als eine sachliche Beschäftigung mit dem gegenseitigen Verständnis der Generationen untereinander wahrgenommen, die mit Klischees eher aufräumt als sie anzuheizen. Kannst du vielleicht identifizieren, wo diese verstecken Nuancen der Altersdiskriminierung sein könnten? Kann sein, dass die zu versteckt für mich waren :hear_no_evil:Würd mich sehr interessieren :slight_smile: …Vielen Dank!

Hallo Magdalena,
grundsätzlich ist mir schon klar, dass (solche) Sendungen ihre Themen sehr plakativ darstellen (müssen?). Dennoch würde ich mir ein gewisses Bemühen um Ausgewogenheit erwarten, was hier nicht der Fall war. Für micht steckt die Diskriminierung vor allem darin, was, wie dargestellt wurde und was nicht (daher sehr versteckt). Es beginnt schon mit dem Titel „OK Boomer“, der die Übernahme einer bestimmten Diktion darstellt, der Konnotation eine reine Abwertung bedeutet. Diese Bezeichnung wird in der ganzen Sendung weiterverwendet, statt der allgemein üblichen Benennung als Babyboomer. Der Untertitel „Streit zwischen Jung und Alt“ wird als Tatsache hingestellt, ohne es zu hinterfragen, zu unterlegen, geschweige denn, dem etwas entgegenzusetzen. Die geschieht im Laufe der Sendung immer wieder. Außerdem werden die Vorurteile manifestiert - z.B. zu Corona: Ältere = Risikogruppe/ Junge = hart(!) von Kündigung getroffen --> dabei ist es genau Umgekehrt. Auch kein Wort zu den vier verschiedenen Alterkategorien: kalendarisch, biologisch, psychologisch, sozial. Behauptung von unterschiedlichen Lebenswelten, die nicht miteinander zu tun haben wollen - im Studium haben wir gelernt, uns um das Lernen der Generationen voneinader, miteinander und übereinander zu bemühen. Also nicht das Trennende in den Vordergrung zu stellen. Subtil ist z.B. den „alteingesessenen Redakteur“ der „jungen Praktikantin“ gegenüberzustellen. Vorurteile beim Thema Pensionen: „Babyboomer müssen finanziert werden“. Das Pflegen von Vorurteilen ist Diskriminierung. Subtil die Bilder von älteren und jüngeren Mitarbeiter*innen mit dem Text „Erfahrung & Innovation“ usw.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Eindruck vermitteln, was ich mit meinen Aussagen gemeint habe. Liebe Grüße Ernst

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Hallo Ernst,

danke für deine interessante Wortmeldung. Mir ist das gar nicht so aufgefallen. Darf ich eine Frage dazu stellen: Könntest du uns allen, die nicht vom Fach sind, erklären was die verschiedenen Alterskategorien sind? Du schreibst hier kalendarisch, biologisch, psychologisch, sozial… gibt’s da ein konkretes Modell dazu?

Danke und besten Gruß

Lieber AloisK,

beim kalendarischen (oder chronologisch genannt) Alter werden die Tage der Reihe nach von der Geburt an gezählt. Diese Zahl ist insofern wenig informativ, weil sie gar nichts über das dahinter stehende gelebte Leben aussagt.

Das biologische Alter (des Körpers) hängt von den Lebensumständen ab (z.B. war ich Stress ausgesetzt, habe ich Sport betrieben, wie habe ich mich zeitlebens ernährt, war ich Lärmbelastung, Luftverschmutzung usw. ausgesetzt) und welche Erbanlagen habe ich mitbekommen. Strenggenommen beginn der physiologische Abbauprozess bereits im kalendarischen Alter von 20 Jahren.

Das psychologische (oder auch geistig/seelische) Alter lässt sich durch den Spruch „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ charakterisieren. Es ist auch beeinflusst von der Interessenslage, den geistigen Aktivitäten eines Menschen. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass das subjektive Gesundheitsgefühl von Menschen mehr wiegt, als eine medizinisch fundierte Krankheitsfeststellung.

Es gibt Wissenschaftler*innen, die behaupten, dass das soziale Alter fast den wichtigsten Einfluss auf das perönliche Alter(n)sempfinden ausübt. Wir definieren uns hauptsächlich über Beruf bzw. Arbeitsleben. Nach der Pensionierung gibt es außer Opa/Oma praktisch keine soziale Rollendefinition. Ein Buch zu diesem Thema, das mir sehr gut gefallen hat: Silke van Dyk (2015). Soziologie des Alters. transcript Verlag.

Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Abriss ein bisschen Orientierung bieten konnte.
Liebe Grüße
Ernst

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Find ich auch sehr spannend, danke Ernst :slight_smile: !

Hallo Ernst,

vielen Dank für die spannende Erklärung. Das erklärt plötzlich so einiges… ich fühle mich noch immer sehr jung - vor allem, aber vielleicht nicht nur, weil ich viel mit jungen Menschen gearbeitet habe und mich gern mit jüngeren Menschen austausche.

Gruß, Alois