Aussterbende Berufe? ­čĺÄ

So aus reinem Interesse, weil ich aus dem Personalbereich komme:

Welche Berufe hattet ihr selbst oder hatten eure Eltern / Gro├čeltern, die es in der selben Form nicht mehr gibt? Und, falls bekannt, warum?

Bin schon sehr gespannt auf die Antworten!

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Lokomotivbeheizer/Heizer. Mein Gro├čvater war vor, w├Ąhrend und nach dem Krieg Heizer auf Dampflokomotiven. War damals ein angesehener und zu Kriegszeiten ein gef├Ąhrlicher Beruf. Im 3. Reich war er Zwangsarbeiter f├╝r Hitler und durfte die Kriegsz├╝ge als Heizer ÔÇ×begleitenÔÇť. Als Tscheche (sture Menschen) hatte er mehrmals die Befehle verweigert (1x fast Kopfschuss durch Offizier, 1 x Gestapo/Pr├╝gel - fast Abtransport ins KZ, 1x Notbremsung - Zug von Amis/Fliegerangriff zerst├Ârt - kein ├ťberlebender Zeuge - daher kein Problem f├╝r meinen Gro├čvater). Er wurde immer von seinen Eisenbahnerkollegen (Aufseher) aus der Schusslinie gebracht. Es hat meiner Meinung nach immer zwischenmenschliche Gr├╝nde gegeben (Boxsport, oftmaliges Gewinnen, sein germanisches Aussehen/180cm/blond blau├Ąugig + Kampfsport/, deutsche Frauen). Die deutschen Eisenbahner/Aufseher haben auf Ihren Goldesel geachtet. Da Lokomotiven haupts├Ąchlich nur in Museen jetzt vorfindbar sind, ist der Job ausgestorben. Nachteile: schlecht f├╝r die Ehe, sehr hohe k├Ârperliche Anstrengung. Vorteile: Pension, K├Ârperbau. Mein Gro├čvater ist ├╝ber 80 Jahre alt geworden, hat in seiner Pension noch Zinsh├Ąuser beheizt und als er einmal von einem jungen Mann ├╝berfallen wurde, hatte dieser Junge Mann schnell begriffen, dass auch ein 72 j├Ąhriger Mann, sein Untergang sein kann.
Ich glaube, dass die Beschreibung der T├Ątigkeit eher monoton ist. Aber auch Heizer haben Lokomotiven betreut/gelenkt wenn es notwendig war (Kriegshandlungen etc.).
Was die T├Ątigkeit und Gr├╝nde seiner Befehlsverweigerungen waren kann ich wenn gew├╝nscht angeben. Es hat mit der Epoche/Zeit, aber nicht mit dem Beruf zu tun. Mein Gro├čvater hatte gewisse Rechte in seiner Funktion und er bestand auf diese Rechte! H├Ątte er nicht darauf bestanden, w├Ąre er mit den anderen durch den Abtransport blinder Fliegerbomben in die Luft gespr├Ąngt worden. Da war ihm ein Kopfschuss lieber.

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Spannend und schockierend zugleich. Nicht viele Gro├čv├Ąter teilen ihre Geschichten so ehrlich, denk ich.

Ich wollte im Sinne meines Gro├čvaters klarstellen:

Ich bin urspr├╝nglich, wie meine Eltern, Fl├╝chtling aus Der Tschechoslowakei (Kalter Krieg). Durch die Flucht meiner Familie war die Reisem├Âglichkeit meiner Verwandten in der CSSR eingeschr├Ąnkt. Meine Tanten waren Schwimmerinnen/Olympiade und eine Tante ver├╝bte 1x Selbstmordversuch und beim 2.Mal war Sie erfolgreicher. Ihre ├Ąlteste Schwester konnte vor dieser Tante nach Deutschland fl├╝chten was f├╝r die andere Tante zur Aufdeckung ihres Fluchtversuchs f├╝hrte.

Bedingt durch meine Schilderungen konnte mein Gro├čvater maximal in seinen Z├╝gen verreisen. W├Ąre er in ├ľsterreich geblieben, dann h├Ątte er Pension, Wohnung, etc. verloren. Als er in Pension war, hat die CSSR keinen Grund gehabt, seine Flucht zu verhindern. Ich b├╝rgte f├╝r ihn (Verpflegung, Unterkunft, Krankenhaus mit einer bestimmten Summe und er konnte mich zum Ersten Mal besuchen. Was ich sagen m├Âchte: Viel Fragen, wenig Zeit. Da das Thema nicht mein Gro├čvater war, habe ich nicht alles wiedergegeben. Viele Dinge die er gesagt hat, habe ich hinterfragt: Warum riskieren seine Aufseher ihr eigenes Leben? Wieso hat mein Gro├čvater sein Leben riskiert, indem er in seinem Urlaub (er hatte fast die gleichen Rechte/Essen, Urlaub, Freiheiten wie die Deutschen, er durfte jedoch Deutschland nicht verlassen) Deutschland verlie├č um in der Tschechei bei der Geburt meiner Mutter zu sein. Er ist zur├╝ck nach Deutschland und hat damit verhindert, dass seine Familie get├Âtet wird. Viele Fragen habe ich, da mir nicht viel Zeit mit ihm blieb, selbst ergr├╝ndet.

Mein Gro├čvater ist der Vater meiner Mutter. Die Familie meines Vaters/Gro├čtante: Ihr Sohn ist desertiert/├ťberl├Ąufer: Sippenhaftung - KZ, Vergasung: kompl. Familie (auch Kinder und Frauen):

aus den Erz├Ąhlungen der Gro├čtante/einzige KZ-├ťberlebende/Familie sind die damaligen Konsequenzen und Verhalten abgeleitet.

Zu erw├Ąhnen: Mein Gro├čvater hat nie die Zeit w├Ąhrend des Dritten Reiches angeprangert. Er hat nie den Kommunismus verurteilt. Er war ein positiver lebensfroher Mensch.

All diese Leute hatten gewisse Vorteile/Eigenschaften (Verk├Ąufer, Techniker, Lebensk├╝nstler, die Zeit). Heute ist die Konkurrenz riesig, L├Âhne, Arbeiten werden gegeneinander ausgespielt (EU). In einer Firma, die auch real ist, erh├Ąlt man seinen Lohn.

Ich kenne noch 2 Berufe, jedoch ohne handwerklicher Tradition:
Ein Verwander meiner Frau war Direktor einer Kolchose (CSSR). Von dem kenne ich eine Lustige Begebenheit. Ich glaube diesen Beruf gibt es nicht mehr.
2. Beruf: Meine Schwiegereltern waren keine Kommunisten und praktizierende Katholiken. Trotzdem hatten sie verantwortungsvolle Berufe/Positionen. Ein guter Freund des Schwiegervaters war Spitzel f├╝r das Regime. Ich hoffe, das dieser Beruf ausgestorben ist.